Lost in Web 2.0 » Web 2.0 » Bloggen, twittern und posten? Oder ist U-Bahn-Werbung doch sinnvoller?
Bloggen, twittern und posten? Oder ist U-Bahn-Werbung doch sinnvoller?
April 18th, 2010 | Kommentare deaktiviert
Als Jugendverband stellen wir uns natürlich ständig die Frage, wie wir am besten, schnellsten und effektivsten mit unserer Zielgruppe kommunizieren. Das web 2.0 hat hier Einiges zu bieten, zumal die Jugendlichen ganz selbstverständlich im Netz unterwegs sind. Also rein ins “Web der unglaublichen Möglichkeiten”? Und dann die klassische Öffenlichkeitsarbeit einstellen? Nun ja, ganz so einfach ist’s wohl nicht.
von Matthias (Deutsche Bläser Jugend/Jugendbildungsreferenten, Berlin)
Der Einstieg ins Web 2.0 ist ja eigentlich schnell gemacht, einen Account bei Twitter oder Facebook kann jeder Laie innerhalb von Minuten anlegen. Doch halt, ganz schnell wird’s wirr und unprofessionell. Denn wer die Wahl hat, hat die Qual und so entscheide man sich für Twitter, Facebook, StudiVZ, WKW, MySpace, Xing, Blogs, Websites oder andere (der Leser möge diese Liste ins Unendliche fortsetzen). Nur zwei Dinge sind wohl klar: 1. es geht definitiv nicht alles (man denke nur an den Zeitfaktor, selbst wenn die meisten Dienste kostenlos sind) und 2. jeder Verband muss das machen, womit er seine Zielgruppe am besten zu erreichen meint.
Wir haben drei Fragen gestellt: Was will ich erreichen, welcher Dienst taugt dafür und wo finde ich dann meine Zielgruppe?
Was will ich im Netz?
Selbst unsere Workshopteilnehmenden, ein begrenzter Kreis von Leuten, kamen mit sehr unterschiedlichen Zielsetzungen: Leute vernetzen, Infos weitergeben, über Events berichten, einen Verband präsentieren. Je nach Zielstellung machen verschiedene Dienste oder Präsentationsformen Sinn oder eben auch nicht.
Man kann definitiv alles machen, das war schnell klar. Doch was eignet sich wofür? Es folgt also eine kurze Abhandlung:
Leute vernetzen: hierzu eignet sich, das sagt schon der Name, natürlich ein soziales Netzwerk. Klar, hier wird die nötige Infrastruktur bereitgestellt, hier kann man Leute (nämlich die Endverbrauchen, wenn wir unsere Jugendlichen so nennen wollen) relativ schnell erreichen, außerdem sind Schneeballeffekte möglich (Freude haben Freunde udn wieder Freunde), womit sich eine Gruppe von Angesprochenen u.U. schnell erweitern kann. Soziale Netzwerke bieten die Möglichkeit Leute zusammen zu führen, die schnell und effektiv Infos austauschen können. Junge Leute sind zunehmend in sozialen Netzwerken organisiert, wer nicht drin ist, ist heute bereits ein Außenseiter. Außerdem sind die Profile von Menschen in sozialen Netzwerken in der Regel privat, man kommt also sehr nah an die Personen ran. Das erhöht den Druck für andere, auch dazuzukommen (einige Netzwerke befördern dies mit dubiosen Mails, das kann man als Jugendverband sicher nicht gut finden). Und: eine ganze Masse von Menschen ist ständig online, soziale Netzwerke haben ein gewissen Suchtfaktor (das muss man auch nicht gut finden). Ein weiterer Vorteil sozialer Netzwerke ist, dass man (fast gänzlich) ohne technische Kenntnisse präsent sein kann.
Natürlich gibt’s auch Nachteile. Soziale Netzwerke führen zu Uniformität, denn die Seiten verschiedenster Akteure sehen in der Regel sehr ähnlich aus (was die Betreiber sozialer Netzwerke ja wollen), gerade das Internet bietet fast unumschränkte Möglichkeiten und dann machen doch wieder alle das selbe. Das Thema Datenschutz ist selbstverständlich ein sensibles, inwieweit man Jugendlichen empfehlen will, in Netzwerke zu gehen (wenn sie nicht schon drin sind), darüber lässt sich sicher streiten. Außerdem gibt es sehr viele soziale Netzwerke und jeder Verband muss sich Fragen, wo seine Zielgruppe zu finden ist. Neben diversen Studien kommt es sicher auch auf die eine oder andere eigene Recherche an. Last but not least sind soziale Netzwerke ein relativ neuer, und momentan sehr gehypter, Trend. Und wer weiß schon, was in zwei Jahren ist. Fazit: Mit sozialen Netzwerken kann ich schnell und einfach junge Leute erreichen, so ich weiß, welches sie benutzen.
+ junge Leute sind eh dort
+ keine technischen Kenntnisse nötig
+ schnell und effektiv zu managen
- Uniformität
- Datenschutz
- sehr viele Anbieter, Verteilung der Jugendlichen auf die Dienste
Infos weitergeben kann man ja sehr verschieden: sollen es einfache kurze Posts sein, eignen sich natürlich Mikrobloggindienste wie Twitter aber auch RSS-Feeds, die kurze Infos über Neuigkeiten auf meiner Plattform (Website, Blog) in die Welt hinaus schieben. Vieles kann man hier automatisieren, dass macht’s für viele Verbände smart. Sinn ist, den klassischen Newsletter mit Fließtext zu ersetzen und schnell (Internetuser lesen nicht, sie scannen) und einfach aufbereitet zu informieren. Die User (das sind hier in der Regel Multiplikatoren, nicht die Endverbraucher) können diese Dienste abbonieren (bzw. müssen Diensten wie Twitter beitreten) und bekommen dann brandaktuell ausgegeben, was wir/Ihr machen/macht.
Natürlich ist die große Schwelle, dass Leute sich anmelden müssen (hier braucht’s PR für Euren “Kanal”) und dass Ihr die Dienste regelmäßig füttern müsst (das übernehmen ja im sozialen Netzwerk auch mal andere für Euch). Dazu kommt, dass die Infos auch gelesen werden müssen. In der Regel müsst Ihr Euch auf wenig Zeichen beschränken (z.B. 140 bei Twitter, was kürze ist als eine SMS) und könnt für weitere Infos nur auf eine Stelle verweisen, wo tiefere Infos abgelegt sind.
+ schnell und leicht automatisierbar
+ direkt Weitergabe
+ abonnierbar
+ Multiplikatoren sind erreichbar
+ Verbände selbst können Infos anderer bekommen
- kurz, braucht eine Plattform, wo mehr Inhalt zu finden ist
- Leute müssen sich anmelden
- muss regelmäßig gefüttert werden
- keine Endverbraucher
Über Events könnt Ihr prima mit einem Blog berichten. Hier können wie bei einem Tagebuch Dinge in chronologischer Abfolge präsentiert werden. Blogs sind informeller als Websites und bieten die Möglichkeit jenseits eines hochoffziellen Charakters von Websites individuell und subjektiv zu schreiben. Berichten können mehrere Leute, die man auch als jeweilige Autoren kennzeichnen kann. Es können andere Dienste eingebunden (Bilder, Videos, Posdcasts) bzw. über Zusatzdienste andere Plattformen (z.B. einen Infodienst oder mein soziales Netzwerk) über Neues auf der Seite informiert werden. Eine Beziehug zum Leser wird aufgebaut. Das kann man dadurch bestärken, dass Blogs oftmals Kommentarfunktionen bieten. Damit kann eine Interaktion aufgebaut werden. Auch für Blogs gibt es verschiedene Anbieter, auch hier braucht man nicht unbedingt eigenen Webspace. Dazu gibt es viele Anbieter, die die Einrichtung von Blogs (zu Lasten der Individualität) soweit vereinfacht haben, dass auch Techniklaien ohne Probleme einen zusammenbasteln können. Für Verbände empfielt es sich allerdings nicht als “Untermieter” der Betreiberseiten dazustehen (das wirkt dann doch zu privat).
Will man einen Blog professionell angehen (vielleicht mit eigenem CI, individueller Ausstattung) wird’s allerdings schnell schwierig. Ich musste selbst sehr leidvoll erfahren, dass es doch Programmierkenntnisse braucht, wenn man vom Standard abweichen will. Zudem muss man Blogs auch anmelden (z.B. bei Suchmaschinen). Wie man richtig macht, das erfordert schon ein wenig Know-How. Letztlich muss ich auch hier meine Leser erst gewinnen (sie müssen meine Seite halt besuchen oder meine News abonnieren) und dann durch regelmäßige Artikel auch bei der Stange halten.
+ informell und persönlich
+ mehrere Autoren möglich
+ gute Form zu berichten
+ Kontaktmöglichkeiten
+ viele Anbieter
- wenn’s professioneller werden soll, braucht es Technikkenntnisse
- Suchmaschinenoptimierung nötig
- regelmäßig selbst pflegen
- Seite muss besucht/abonniert werden
Um einen Verband ganz klassisch zu präsentieren (inkl. der offiziellen Dinge wie Satzung etc.) eigent sich natürlich eine Homepage am besten. Das dürfte sicher die Form sein, die auch weniger netzaffinen Menschen am ehesten ein Begriff ist. Hier kann man News, feste Infos über den Verband, Bilder, Videos und vieles mehr einbinden. Homepages bieten außerdem die Möglichkeit die Plattform zu sein, auf die andere Dienste (z.B. soziale Netzwerke oder Infodienste) verweisen.
Eine Homepage hat einen offiziellen Charakter und ist verhältnismäßig statisch. Außedem bieten sie nur eine begrenzte Möglichkeit zur Interaktion (ist ja auch oftmals gar nicht gewünscht). Wieder gibt es viele Anbieter für Webspace auf dem eine Seite auch kostenlos liegen kann, da aber die Website für viele Verbände auch ein Aushängeschild ist, empfiehlt sich eigener Speicherplatz (verbunden mit Kosten). Um eine interessante und abwechslungsreiche Seite zu erstellen, bedarf es Programmierkenntnissen. Zudem muss auch eine Website regelmäßig mit Inhalten gefüttert werden.
+ offizieller Charakter, Aushängeschild
+ ist immernoch sehr gängig
+ kann meine Plattform sein
+ andere Dienste einbinden
- wenig informell (falls das gewünscht ist)
- kostet in der Regel
- Programmierkenntnisse nötig
- Pflege nötig
Fazit: Es gibt nichts, was es nicht gibt!
Für alle hier vorgestellten Varianten gibt es unzählige Hilfsprogramme, Zusatzdienste und vieles mehr. Jeder muss hier ganz individuell entscheiden, was er oder sie will. Und natürlich sind die Grenzen gerade zwischen Blogs und Websites fließend, versuchen soziale Netzwerke Infodienste zu integrieren und und und.
In jedem Fall empfiehlt es sich, tiefer in die Materie einzusteigen, bevor man startet. Was will ich, wie bekomme ich es, das muss schon klar sein. Dann noch die Faktoren Zeit, Kosten und Effektivität dazu und schwupps: hier ist Eure Möglichkeit ins Web 2.0 einzusteigen. Ach ja, ersetzt das jetzt die U-Bahn-Werbung oder den klassischen Flyer? Sicher nicht, mehrgleisig zu fahren ist immer richtig und wichtig. Und auch hier gilt: jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten.
Ganz zum Schluss sollten wir aber gerade in der Jugendarbeit eines nicht vergessen: Das Gespräch mit den Menschen vor Ort und gute Aktionen in der “analogen Welt” sind immernoch die beste PR für jeden Verband!

Veröffentlicht unter: Web 2.0 · Etiketten: Blog, community, Effektivität, Facebook, Jugendliche, Jugendverband, Öffentlichkeitsarbeit, social media, social network, soziale Netzwerke, Twitter, Vernetzung, Web 2.0, Website, Webspace, Zielgruppe
Follow
Schlagwörter
“Wir sind neu hier”
© 2012 Lost in Web 2.0


Letzte Kommentare